Liebe Patientinnen und Patienten,
Montag, 24. August 2026aus aktuellem Anlass möchte ich Sie über die aktuellen Änderungen im Gesundheitswesen informieren und erläutern, welche Folgen diese aus Sicht einer niedergelassenen Arztpraxis haben werden.
Mit der „Reform“ wird die Vergütung der sogenannten Offenen Sprechstunde abgeschafft. Bereits zuvor wurde die Vergütung für Neupatienten gestrichen. Beide Regelungen waren eingeführt worden, um den Zugang zur ambulanten Versorgung zu verbessern und Arztpraxen die Behandlung zusätzlicher Patienten zu ermöglichen.
Über die wissenschaftliche Bewertung dieser Maßnahmen kann man diskutieren. Aus meiner Sicht ist jedoch eines offensichtlich: Wenn einem ohnehin stark belasteten Gesundheitssystem schrittweise finanzielle Anreize und Handlungsmöglichkeiten entzogen werden, bleibt das nicht ohne Folgen.
Für unsere Praxis bedeutet dies konkret: Die Zahl der Patienten, deren Behandlung vollständig vergütet wird, ist gesetzlich begrenzt. Bisher konnten wir durch die Offene Sprechstunde und die Neupatientenregelung deutlich mehr Menschen behandeln und wurden für diese zusätzliche Arbeit auch bezahlt. Diese Möglichkeiten entfallen nun.
Die Konsequenz ist einfach: Zusätzliche Patienten zu behandeln bedeutet künftig in vielen Fällen, mehr zu arbeiten – ohne dafür bezahlt zu werden. Mehr Einsatz wird damit nicht mehr honoriert. Unter diesen Bedingungen ist es wirtschaftlich kaum möglich, die bisherige Patientenzahl aufrechtzuerhalten.
Für Sie als Patient bedeutet das voraussichtlich:
- weniger kurzfristig verfügbare Termine,
- längere Wartezeiten,
- eine insgesamt schwierigere ambulante Versorgung.
Gleichzeitig steigen die Kosten einer Arztpraxis kontinuierlich. Mieten, Personalkosten, Energie, medizinische Geräte und viele weitere Ausgaben bleiben unverändert hoch oder steigen weiter. Diese Kosten lassen sich nicht beliebig reduzieren, ohne dass dies Auswirkungen auf die Versorgung hat.
Auch unsere Praxis wird sich deshalb an die neuen Rahmenbedingungen anpassen müssen. Dazu gehören Veränderungen der Sprechzeiten sowie organisatorische und personelle Anpassungen.
Sollten Sie künftig länger auf einen Termin warten müssen als bisher, wissen Sie bitte: Es liegt nicht daran, dass wir Ihnen weniger helfen möchten – sondern daran, dass die Politik beschlossen hat, zusätzliche ambulante Versorgung nicht mehr zu finanzieren.
Ich halte es für einen Fehler, eine ohnehin angespannte ambulante Versorgung weiter einzuschränken und gleichzeitig von den Praxen zu erwarten, dieselbe Leistung mit immer weniger Mitteln zu erbringen. Die Auswirkungen werden leider nicht in erster Linie die Politik treffen, sondern Sie – die Patientinnen und Patienten.
Ich wünsche mir, dass gesundheitspolitische Entscheidungen künftig stärker an der Realität der medizinischen Versorgung ausgerichtet werden. Wer eine hochwertige und wohnortnahe Versorgung erhalten möchte, muss den Praxen auch die Möglichkeit geben, diese zu leisten.
Vielen Dank für Ihr Verständnis und Ihr Vertrauen.
Ihr Dr. Rutkowski („Doc Nick“)
